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Was ist eigentlich Absinth?

 

Geschichte der grünen Fee

Der Ursprung des Absinth gilt in der Schweiz. Das Getränk war lange Zeit verboten. Heute ist das Wermut Getränk wieder erhältlich.

Nach einem beinahe 100 Jahre dauerndem Irrtum ist der Absinthgenuss nun wieder überall erlaubt! Moderne Studien beweisen, dass nicht Thujon, der Inhaltsstoff von Wermut, an den gesundheitsschädigenden Wirkungen des Absinth-Konsums im ausgehenden 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts war, sondern die schlechte Alkoholqualität und der sehr hohe Alkoholgehalt!
Das bedeutet, dass Absinth in der Schweiz völlig legal gekauft und konsumiert werden kann wie jedes andere hochprozentige Alkoholgetränk.

Die Geburtststätte des Bitterschnapses

Die Schweiz ist das Land, in dem die Wermutspirituose geboren wurde. Anfang des 18. Jahrhunderts entwickelte sich im Val de Travers, einem hübschen Längstal im neuenburgerischen Jura, eine Kultur von hausgemachten Sorten.

Es ist ein alkoholisches Getränk, das traditionell aus Wermut, Anis, Fenchel sowie einer je nach Rezeptur unterschiedlichen Reihe weiterer Kräuter (z.B. Melisse, Angelica) hergestellt wird.

Warum nennt man Absinth grüne Fee?

Meist ist das aloholische Getränk grün gefärbt: entweder durch den Gehalt an Chlorophyll (Im Wermut enthalten) oder durch einen zugesetzten Farbstoff. Deswegen nennt man Absinth auch „grüne Fee“ (französisch: la Fée Verte).

Der Alkoholgehalt der grünen Fee ist sehr hoch und kann bis 80% betragen.

Inhaltsstoffe

Absinth ist ein hochprozentiger Kräuterschnaps und enthält immer den echten Wermut und grünen Anis (pimpinella anisum). Manchmal ist auch römischer Wermut, Zitronemelisse, Fenchel und oft auch Ysop enthalten.

Wermut wirkt anregend auf die Verdauung. Früher fand das Kraut auch Verwendung als Wurmmittel. Im Volksmund wurde es u.a. daher Wurmtod genannt.

Aber Wermut kann auch im deutschen Sprachgebrauch eine interessante Rolle spielen:
Ein einziger Tropfen Wermutextrakt verleiht einem süssen Getränk eine Spur Bitterkeit. Und so ist der sogenannte „Wermutstropfen“ der Tropfen von Bitterkeit in etwas, das an sich schön ist. Somit vereint sich Bitteres und Schönes gleichzeitig.

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Wermut

Wermut (lateinisch Artemisia absinthium) enthält eine hohe Konzentration an Bitterstoffen (z.B. Absinthin) und ätherische Öle. Dazu gehört u.a. das Nervengift Thujon.

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Angelicawurzel

Alle Bestandteile der Angelicawurzel sind hocharomatisch: Auszüge aus der Wurzel werden gegen Appetitlosigkeit und leichten Magen und Darmbeschwerden, wie Völlegefühl, Krämpfe und Blähungen verwendet.

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Fenchel, Anis

Fenchel- und Anisfrüchte enthalten ätherisches Öl. Dieses wirkt krampflösend im Magendarmtrakt, sowie entblähend.

Der Inhaltsstoff Thujon

Moderne Studien haben den Verdacht der Schädigung durch Thujon in Absinthspirituosen nicht bestätigen können.

Der Wissenschaftler Dirk Laschenmeier und seine Forscher haben über 100 Jahre alte Absinthflaschen auf ihren Thujongehalt untersucht und sind zum Schluss gekommen, dass diese sogar weniger Thujon enthalten als heute zugelassen ist. Abbauprokukte haben sie keine gefunden; die Wissenschaftler gehen davon aus, dass Thujon nicht verantwortlich war für die damalige Misere durch den weit verbeiteten Absinth-Konsum.

Und so wird heute rückblickend heute nicht mehr Thujon, sondern der hohe Alkoholgehalt (sowie seine schlechte Qualität) des Absinths als die Hauptursache des Absinthismus angesehen. So sollen die damaligen Wermutspirituosen bis 80% Alkohol enthalten haben, und dieser war oft von zweifelhafter Qualität!

Wenn man bedenkt, dass 1914 die reine Alkoholmenge, die ein erwachsener Franzose pro Jahr konsumierte, bei 30 Litern lag, und im Vergleich dazu die Iren mit 14,2 Litern reinem Alkohol pro Kopf heute weltweit die Statistiken des Alkoholkonsums anführen, ist diese Theorie einleuchtend.

Thujon selber ist ein Nervengift, kann Halluzinationen und Depressionen auslösen.

Geschichtliches

Als Erfinder des Absinth vermutet man den französischen Arzt Pierre Ordinaire. Während der französischen Revolution zog er aus dem französischen Jura in die Schweiz und betätigte sich im neuenburgerischen Couvet als Landarzt. Bei Magenbeschwerden verabreichte er den Patienten sein selbstgebrautes hochprozentiges Absinthelixir. Ob er die Mixtur wirklich erfunden hatte oder einfach nur die alte Rezeptur des Absinthweines der Familie Henriod, die ebenfalls in Couvet wohnte, mit hochprozentigem Alkohl aufputschte, kann heute nicht mehr genau geklärt werden.

Vom Heilelexier zum Genussmittel

Jedenfalls verkaufte die Familie Henriod nach dem Tod des Landarztes die Rezeptur an die Famile des Henri Louis Pernod, der die erste Absinthbrennerei aufbaute. Sie begannen mit einer Produktion von täglich etwa 15-16 Litern. Da hauptsächlich nach Frankreich verkauft wurde, verlegten sie bald die Produktion nach Pontarlier im nahe gelegenen Frankreich.

Der Nachfrage nahm zu – und somit auch die Produktionsmengen.

Die Armee Frankreichs bestellte grosse Mengen für ihre Soldaten im Krieg – ob Mittel gegen Würmer oder als ‹Versüssung› der Kriegsalltages ist nicht bekannt. Man hoffte, damit Krankheiten vorzubeugen oder schlechtes Trinkwasser (z.B. auf Schiffen) zu neutralisieren. Gelungen ist dies mit dem Getränk sicher nicht – was aber sicher ist: die Soldaten hatten Geschmack daran gefunden und tranken es auch noch nach ihrer Heimkehr in die französischen Städte.

Trinkrituale

Um 1860 war die sogenannte „grüne Stunde“, die „heure verte“ im Alltagsleben der französischer Grossstädte wie Paris und Marseille etabliert.

Absinthtrinken zwischen 17 bis 19 Uhr galt als chic.

Auf den Tischen der Bars und Cafés der Pariser Boulevards konnte man hohe Wasserbehälter mit mehreren Hähnen sehen.

Mochte man Absinth trinken, legte man den speziellen spatelförmigen und gelochten bzw. geschlitzten Absinthlöffel auf das Glas und belegte ihn mit einem Stück Zucker.

Dann öffnete man den Wasserhahnen vorsichtig, so dass ganz langsam das Wasser auf den Löffel herabtropfte. In jedem Wassertropfen löste sich etwas Zucker auf. Der süsse Tropfen fiel in das darunter stehende Absinthglas und hinterliess im Absinth eine neblige Spur, solange bis dasjenige Mischungsverhältnis erreicht war, welches die spezielle opaleszente, milchige und grünliche Färbung verlieh.

Absinth und die Künstler

So fand dieser hochprozentige Kräuterschnaps grosse Popularität in Frankreich vor allem in der zweiten Hälfte des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhundert. Traditionell wird er wie oben beschrieben mit Wasser vermischt getrunken.

Zwar wusste man schon, dass der unengeschränkte Konsum von Absinth nicht harmlos war – man munkelte in den Pariser Lokalen von Einweisungen in die Irrenanstalten, wie damals Psychiatrische Klinken hiessen. All dies schien aber die Polularität des ‹feenhaften› Getränks nur noch zu erhöhen.
Zu den berühmten Absinth-Trinkern zählen z.B. :

Vincent van Gogh: hat er sich wirklich nach Absinthgenuss das Ohr abgeschnitten?

Paul Gauguin: er soll in seinem Gepäck nach Tahiti einen sehr grossen Vorrat an Absinth gehabt haben

Henri de Toulouse-Lautrec: er hat ein sehr schönes Portrait von Van Gogh beim Absinth-Trinken gemalt. In die Farben soll er angeblich auch Absinth gemischt haben.

Oscar Wilde: ein grosser Liebhaber der grünen Fee. Ein Zitat von ihm: Das erste Stadium {.. des Absinth-Trinkens} ist wie normales Trinken, im zweiten fängt man an, ungeheuerliche, grausame Dinge zu sehen, aber wenn man es schafft, nicht aufzugeben, kommt man in das dritte Stadium, in dem man Dinge sieht, die man sehen möchte, wundervolle, sonderbare Dinge.

Charles Baudelaire: färbte sich der grünen Fee zu Ehren die Haare grün. Er lobte die Wirkung des Absinth und benutzte das Getränk begeistert gegen seine Schreibhemmungen: ‹die toten Wörter stehen auf und sind aus Stein und Bein›.

Pablo Picasso: Seine blaue Phase soll massgeblich vom Absinth inspiriert worden sein.

Ernest Hemingway: nach ihm wurde ein Absinth-Drink benannt: Death in the Afternoon. Sein Werk ‹Wem die Stunde schlägt› soll unter Einfluss von Absinth entstanden sein.

Viele Künstler waren der grünen Fee ausserordentlich zugetan: Für sie war die grüne Fee nicht nur ein Getränk, sondern oft auch Muse für ihre Künste. Und so haben etwiche Kunstschaffende ihre Erlebnisse oder Beobachtungen in ihren Werken verewigt, sei es als Gedicht oder auch als Bild.

Auf dem Höhepunkt seiner Popularität stand Absinth damals im Ruf, aufgrund seines Thujon-Gehaltes abhängig zu machen und schwerwiegende gesundheitliche Schäden nach sich zu ziehen. Dies galt bis vor wenigen Jahren, als die Wissenschaftler den Wermut in der Absinthspirituose von praktisch allen Anklagen frei sprachen – nicht jedoch den Alkohogehalt!

Die Symptome des chronischen Absinthkonsums (= Absinthismus) sind identisch denen eines Alkoholismus.

Teuer war der Absinth damals nicht – so wurde er auch in der armen Bevölkerungsschicht in rauhen Mengen getrunken. Hier allerdings konnte war der Alkohol oft in sehr schlechter Qualität vorhanden. So ist nicht erwunderlich, dass es sehr viele Opfer des Absinthes gab und die Behörden einschreiten mussten.

Bereits im Jahre 1915 war das Getränk in einer Reihe europäischer Staaten und den USA verboten.

Belgien verbietet Absinth nach Mord

Ein Mordfall im August des Jahres 1905 in der Waadtländer Gemeinde Commugny, war der letzte Anstoss, Herstellung und Verkauf von thujonhaltigen Getränken in den meisten europäischen Ländern und den USA gesetzlich zu verbieten.

Der Weinbergarbeiter Jean Lanfray war starker Alkoholiker, er trank täglich bis zu fünf Liter Wein. An dem Tag, an dem er neben seiner schwangeren Frau seine zwei- und vierjährige Töchter in einem Wutanfall ermordete, hatte er neben Wein auch Branntwein sowie zwei Gläser Absinth zu sich genommen. Die Bluttat erschütterte die ganze Region; und den Absinthgegnern kam der Mord gelegen, um den Schnaps zu verteufeln.

In Belgien nahm man den Vorfall zum Anlass, noch im selben Jahr Absinth zu verbieten. In der Schweiz wurde das Absinth-Verbot im Jahre 1910 aufgrund einer Volksinitiative aus dem Jahre 1908 sogar in die Verfassung aufgenommen. In Frankreich liess man sich mit dem Verbot bis 1914 Zeit.

Das Verbot des Absinth führte in Frankreich zu einer wachsenden Popularität von Pastis, für dessen Herstellung Anis- und Fenchelsamen statt Wermut verwendet wird, welcher aber ebenfalls mit Wasser verdünnt in den Nachmittagsstunden genossen wird.

Seit 1998 ist Absinth in den meisten europäischen Staaten wieder erhältlich. Auch in der Schweiz sind seit 2005 die Herstellung und der Verkauf von Absinth wieder erlaubt. Der Thujongehalt wurde auf einen maximalen Gehalt reglementiert (maximal 35 mg/kg bei einem Alkoholgehalt über 25 % Vol.) und auch der Gehalt an Alkohol darf laut Gesetz nicht mehr höhe als 45% sein.